Herpes - die Macht des Ekels

Erst spannt es nur ein bisschen, dann beginnt das Lippenbläschen sichtbar zu werden. Neben hoher UV-Strahlung und einem schwachen Immunsystem kann auch die Psyche den Ausbruch fördern. Forscher haben den Einfluss unserer Psyche auf die Entstehung von sichtbaren Hautkrankheiten beim Menschen untersucht. Besonders wirksam: Ekel. Diplom-Psychologe Benjamin Martens erklärt Ihnen, warum Ekelgefühle Herpes auslösen können und wieso Stress auch Ihrer Haut schaden kann.

Mehr zum Thema

Ekelgefühl verursacht Herpes

Herpes ist eine durch Viren verursachte Infektionskrankheit. Fast jeder Mensch trägt den Virus in sich, nur bei etwa einem Drittel der Weltbevölkerung brechen die Lippenbläschen jedoch auch aus. Bekannt ist, dass vor allem ein schwaches Immunsystem zur Bläschenbildung führen kann. "Betroffene haben oft einen gehörigen Leidensdruck, denn die Bläschen sind meist gut sichtbar", sagt der Psychologe Benjamin Martens. Ein Teufelskreis, denn gleichzeitig hat die Psyche einen gehörigen Einfluss auf die Bildung von Herpes, wie Forscher der Universität Trier herausgefunden haben.

Untersucht wurden Menschen, die häufig an einem Lippenherpes erkrankten. Diese Menschen bekamen dann entweder ekelerregende Dinge wie schmutziges Geschirr oder neutrale Gegenstände gezeigt. Ergebnis: Bei den Menschen, die sich vorher geekelt hatten, brach in der Folge wesentlich häufiger Herpes aus, als bei den Versuchsteilnehmern, die sich im Experiment nicht ekelten.

Wozu ekeln wir uns überhaupt?

Unklar ist jedoch, wie genau der Ekel den Herpes auslöst. Im Experiment zeigten die von Herpes betroffenen Personen gleichzeitig in ihrem Blut auch eine überdurchschnittlich hohe Konzentration von Stoffen, die auf eine erhöhte virale Aktivität schließen lassen. Die Forscher vermuten, dass Ekel zunächst das Immunsystem schwächt, welches die Herpesviren normalerweise in Schach hält, und so die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs erhöht.

Lebensmittel, Tiere, Situationen, Bilder, Gerüchen, anderen Menschen - die Liste möglicher ekelerregender Dinge ist lang und das Gefühl des Ekels selbst meist sehr unangenehm. Brauchen wir Menschen den Ekel überhaupt? "Ja, Ekel gehört zu den sogenannten menschlichen Basisemotionen, jeder kennt das Gefühl. Und das ist auch gut so. Ekel erfüllt eine wichtige Funktion: Er schützt uns vor Krankheiten und ist daher eine Art Überlebensmechanismus." Typischerweise tritt Ekel immer im Zusammenhang mit Dingen auf, die schädlich für die eigene Gesundheit sein könnten. "Ekel hilft uns also, solchen Gefahren aus dem Weg zu gehen", so Martens.

Stress schwächt das Immunsystem

Eine weitere Theorie: Ekel schwächt das Immunsystem nicht direkt, sondern löst zunächst Stress aus. Dieser Stress ist dann für die Schwächung des Immunsystems verantwortlich. Sowohl kurzanhaltender als auch dauerhafter Stress stört die Immunabwehr des Körpers. "Der Zusammenhang zwischen Ekel, Stress und Herpes ist sehr wahrscheinlich", so Psychologe Martens. "Auch bei anderen körperlichen Erkrankungen konnte bereits nachgewiesen werden, dass Stress eine wichtige Rolle spielt."

Wenn die Psyche krank macht

Depressionen machen müde, Stress erhöht das Risiko für Infektionen und Burnout. Er geht oft mit Kopfschmerzen und völliger körperlicher Erschöpfung einher. "Das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist ist komplex und vielschichtig.", weiß Martens. Und dabei ist es vor allem das Thema Stress, zu dem bereits viele Erkenntnisse vorliegen: "Unser Immunsystem verfügt über zwei unterschiedliche Abwehrmechanismen, eine spezifische und eine unspezifische Abwehr. Beide Mechanismen werden durch Stress stark gestört", sagt Psychologe Benjamin Martens. Studien belegen: Unter Dauerstress werden wir schneller und länger krank, die Wundheilung wird verlangsamt und auch Impfungen wirken zum Beispiel schlechter.

Stand: 28.03.2013
Autor: Kathrin Hoffmann